Die Akteure auf den Investmentmärkten richten den Finger oft auf die Politik, Notenbanker und andere Regulatoren, wenn es um die Schuldfrage bei Spekulationsblasen geht. Niedrigzinsen, fortgesetzte Geldspritzen und die politische Bevorzugung von Staatsanleihen beispielsweise seien hauptverantwortlich. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Die andere Hälfte lautet: Investoren neigen zu ausgeprägtem Parallelverhalten, das Spekulationsblasen begünstigt. Zahlreiche Marktteilnehmer bilden sich keine eigenen Meinungen, sondern imitieren einfach die Strategien und Aktionen erfolgreicher „Leittiere“. Es kommt zu einem „rationalen Herdentrieb“: Um ihren Job nicht zu gefährden, gehen viele Vermögensverwalter lieber kein Risiko ein und machen kurzfristige Trends mit, anstatt mit langem Atem den eigenen Ansatz zu verfolgen. Diese Motivation wird einstweilen bleiben – und damit auch das Risiko von Spekulationsblasen und die Notwendigkeit einer eigenständig-fundierten Vermögensberatung.

Leider werden Investmentanlagen oftmals nach dem Motto des „Geringsten Widerstands“ verkauft. Kaum ein Berater verweigert sich einmal konsequent den Kundenwünschen um ihn vor Schaden zu schützen. Es gehört eben dazu einem Kunden gegenüber auch einmal „Nein“ zu sagen. Langfristig wird es der Anleger dem Berater danken, denn kurzfristige Höhenflüge enden oftmals mit dramatischen Abstürzen.

Thomas Wrzeciono